Coenzym Q10 und Statine: Brauche ich das?
Liebe Leserinnen und Leser,
kaum ein Medikament ist so gut untersucht wie Statine und kaum eines wird gleichzeitig von so vielen Begleitmythen und negativen Konnotationen verfolgt. Dabei spekulierte man 2008 noch in der NewYork Times, ob es sich für die metabolisch immer kränkeren Amerikaner lohnen könnte, Statine ins Leitungswasser zu geben (1).
Einer der moderneren Überlegungen zu Stationen betrifft Coenzym Q10: “Muss ich den Spiegel bestimmen oder Q10 zusätzlich einnehmen, wenn ich ein Statin nehme?” ist eine häufig gestellte Frage in der Praxis. Die biologische Überlegung dahinter ist zunächst richtig.
Statine als Cholesterinsenker hemmen die HMG-CoA-Reduktase und damit den sogenannten Mevalonat-Stoffwechselweg. Über diesen Weg entsteht nicht nur Cholesterin, sondern auch Coenzym Q10, das eine wichtige Funktion in der mitochondrialen Energiegewinnung besitzt. Tatsächlich zeigen Studien unter Statintherapie einen messbaren Abfall des CoQ10 im Blut.
Also könnte es Sinn geben Q10 zu nehmen? Hier muss man sauber trennen:
Ein niedrigerer Blutspiegel von Q10 bedeutet nicht automatisch einen relevanten Mangel im Muskel. Q10 wird im Blut überwiegend an Lipoproteine gebunden transportiert. Sinkt LDL unter einem Statin, kann deshalb auch das gemessene Q10 sinken. Zudem bildet der Plasmawert die Konzentration im Muskelgewebe nur unzureichend wieder. Einen validierten Grenz- oder Zielwert, anhand dessen entschieden werden könnte, wer Q10 benötigt, gibt es nicht, selbst wenn ich gelegentlich auf eine Q10-Bestimmung in meiner Praxis zurückgreife.
Auch die Supplementation bleibt kontrovers.
Eine aktuelle deutsche Metaanalyse fand bei Patienten mit statinassoziierten Muskelbeschwerden einen kleinen Vorteil; die zugrunde liegenden Studien waren jedoch klein und heterogen. Die US-Leitlinie 2026 empfiehlt Q10 daher ausdrücklich nicht routinemäßig zur Vorbeugung oder Behandlung statinassoziierter Muskelbeschwerden.
Mein persönliches Fazit:
Wer ein Statin gut verträgt, benötigt weder eine routinemäßige CoEnzymQ10-Bestimmung noch eine prophylaktische Einnahme. Bei Muskelbeschwerden sollte zunächst geklärt werden, ob tatsächlich das Statin verantwortlich ist. Ein Laborwert Q10 beantwortet diese entscheidende Frage derzeit nicht vollumfänglich. Wenn aber Q10 genommen wird, dann bitte 200mg einmal täglich (Ubiquinol; vegan aus Fermentation gewonnen und aus EU-Produktion).
Literatur:
https://archive.nytimes.com/well.blogs.nytimes.com/2008/11/17/statins-in-the-water-not-so-fast/ (NYT Artikel)
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26192349/ (Meta Analyse zu Q10 Spiegel unter Statinen)
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41158831/ (Meta Analyse aus der JLU Giessen aus 2025)
Herzlichst,
Ihr
Amir Nia