“Ich habe Vorhofflimmern und eine Herzschwäche. Jetzt ist alles wieder gut. Brauche ich dann noch die Medikamente Doc?”
Liebe Leserinnen und Leser,
Vorhofflimmern (VHF) kann das Herz nicht nur aus dem Takt, sondern regelrecht aus der Kraft bringen; sprich eine Herzmuskelschwäche verursachen. Bei einer sogenannten vorhofflimmerbedingten Kardiomyopathie sinkt die Herz-Pumpfunktion und kann sich nach erfolgreicher Rhythmuskontrolle erstaunlich weit, manchmal vollständig, erholen.
Die entscheidende Frage lautet dann: Müssen Herzinsuffizienz-Medikamente trotzdem lebenslang bleiben oder kann man sie reduzieren oder gar ganz weglassen?
Die randomisierte WITHDRAW-AF-Studie hat genau das untersucht. 60 sorgfältig ausgewählte Patienten hatten seit mindestens 6 Monaten wieder eine normale Pumpfunktion; 97 % waren zuvor abladiert worden (Herzmuskelverödung zur Kontrolle des VHFs). Im Herz-MRT durfte keine Vernarbung des Herzmuskels nachweisbar sein. Bei der Hälfte wurden die Herzmedikamente schrittweise abgesetzt, die andere Hälfte nahm sie zunächst weiter.
Nach 6 Monaten hatten 90 % ohne Medikamente weiterhin eine Ejektionsfraktion ≥50 %, gegenüber 100 % unter fortgesetzter Therapie. Blutwerte, Belastbarkeit und Lebensqualität unterschieden sich nicht relevant.
Aber genau hier beginnt der interessante Teil:
5 von 60 Patienten entwickelten nach dem Absetzen erneut eine eingeschränkte Pumpfunktion. Keiner hatte Beschwerden; nach Wiederaufnahme der Therapie erholte sich das Herz rasch. Besonders auffällig: Rückfälle traten eher bei Patienten auf, deren vermeintlich „normale“ Ausgangs-Pumpfunktion nur bei etwa 50-55 % lag.
Mein persönliches Fazit:
Für mich und meine Patientinnen und Patienten ist diese Studie kein Freibrief zum Tablettenabsetzen! Sie zeigt etwas viel Spannenderes: „Herzinsuffizienz geheilt“ ist nicht gleich „Herzinsuffizienz dauerhaft geheilt“.
Wenn VHF tatsächlich der alleinige Auslöser war, der Rhythmus stabil bleibt und das MRT ein gesundes Myokard zeigt, könnte bei ausgewählten Patienten eine kontrollierte Therapiereduktion sinnvoll/möglich sein. Noch aber ist die Datenbasis sehr klein und 60 Patienten sind maximal ein Signal, aber keine neue Glaubenslehre.
Literatur:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12777703/ (Segan L. et al. EHJ 2026)
https://link.springer.com/article/10.1007/s00392-011-0319-y (Nią AM et al.; CRIC 2011; eigene Arbeit zu VHF und Herzinsuffizienz)
Herzlichst,
Ihr
Amir Nia