Vitamin K2 / D3: Können Vitamine unsere Herzkranzgefäße schützen?

Liebe Leserinnen und Leser,

Verkalkungen der Herzkranzgefäße sind ein wichtiger Hinweis auf eine koronare Arteriosklerose und ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Daher bewerten wir in unserer Praxis auch die Carotiden mittels Ultraschalls und versuchen analogisierend auf alle Gefäße abzuschätzen, wie hoch das vaskuläre Risiko jedes einzelnen Individuums ist.

Doch lassen sich solche Ablagerungen durch Vitamine beeinflussen? Eine neue dänische Studie, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Circulation und präsentiert auf dem ESC-Kongress in München erst vor wenigen Wochen, liefert bemerkenswerte Ergebnisse.

Die wissenschaftliche Idee dahinter ist schlüssig. Vitamin K2 aktiviert ein körpereigenes Schutzprotein, das sogenannte Matrix-GLA-Protein, welches die übermäßige Kalzium-Einlagerung in Gefäße (v.a. Arterien) blockiert. Vitamin D3 wiederum reguliert den Kalziumstoffwechsel und beeinflusst damit gar die Bildung solcher GLA-Schutzproteine. Vorhandene Plaques werden daher durch diese zwei Vitamine möglicherweise mit beeinflusst. Theoretisch könnte man also annehmen, dass die ausreichende Zufuhr beider Vitamine also die Gefäßverkalkung positiv beeinflussen könnten?

In der DANCODE-Studie wurden 398 Menschen mit ausgeprägten Verkalkungen der Herzkranzgefäße untersucht. Über 2 Jahre erhielt eine Gruppe täglich 720mg Vit. K2 und 1.000IE Vitamin D3, die andere Gruppe ein wirkstofffreies Präparat.

Das Ergebnis überrascht:

Während die Verkalkung in der Vitamin-unbehandelten Gruppe um durchschnittlich 248 „Punkte“ (AU=Agatston Units) zunahm, waren es unter Vitamin-Verum-Therapie lediglich 196 Punkte. Das entspricht einer um 21 Prozent verlangsamten Zunahme.

Ergänzende CT-Untersuchungen bestätigten die geringere Zunahme verkalkter Plaques, ohne dass sich das Volumen nichtverkalkter Ablagerungen gegenüber der Kontrollgruppe erhöhte.

Ist damit bewiesen, dass Vitamine Herzinfarkte verhindern? Leider noch nicht! Die Studie untersuchte Veränderungen im CT, nicht den tatsächlichen Schutz vor Herzinfarkt oder Tod. Auch bleibt offen, welchen Anteil die beiden Vitamine jeweils haben.

Mein persönliches Fazit:

Die Ergebnisse sind vielversprechend, rechtfertigen aber noch keine generelle Einnahmeempfehlung. Patienten unter Marcumar sollten Vitamin K2 keinesfalls eigenständig einnehmen. Konsequente Cholesterinsenkung, gute Blutdruckwerte, Bewegung und Nikotinverzicht bleiben unsere wichtigsten Maßnahmen, die wir immer wieder in der Praxis mit Ihnen besprechen.

Literatur:

Herzlichst,

Ihr

Amir M. Nia

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