NEJM Paper EPCAT III – Aspirin oder ein NOAK nach Hüft- oder Knieendoprothese?

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Woche beleuchten wir ein Paper aus dem New England Journal of Medicine (NEJM); die Bibel der Evidenz-getriebenen Medizin.

Die Thromboseprophylaxe nach einer Hüft- oder Knieendoprothese galt lange als Domäne der Neuen oder Direkten oralen Blutverdünner (DOAKs oder NOAKs). Die Forscher um Dr. Shivakumar aus Kanada haben Jahre der Frage gewidmet, ob Aspirin (ASS) möglicherweise genauso gut sein könnte wie plasmatische Blutverdünner nach einer Knie-/Hüft-OP.

Die EPCAT-III-Studie, veröffentlicht am 12.7.2026 im NEJM, stellt dieses Konzept nun vor. In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit über 5.400 Patienten wurde ASS 81mg ab dem 1.ten post OP Tag direkt gegenüber einer Strategie aus 5 Tagen Rivaroxaban (Xarelto), gefolgt von ASS, verglichen.

In Deutschlang hätten wir wohl anstatt 81mg zu 100mg gegriffen. Nun geht das den gut, entstehen dabei nicht Thrombosen?

Das Ergebnis ist bemerkenswert unspektakulär – und genau darin liegt seine Stärke: symptomatische Thrombosen oder Lungenembolien traten mit 0,48 % unter ASS und 0,45 % unter der Rivaroxaban-Strategie auf!

Auch klinisch relevante Blutungen unterschieden sich nicht wesentlich. Die Studie erreichte ihr Ziel der Nicht-Unterlegenheit klar. Bevor man aber jetzt nicht mehr zu Heparinspritzen und Xarelto greift, sollte man wissen, was die Studie nicht beantwortet:

Patienten mit deutlich erhöhtem thromboembolischem Risiko waren kaum vertreten. Für diese Gruppe lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragen.

Mein persönliches Fazit:

Für einige Patienten nach elektiver Endoprothetik scheint ASS allein zur Thromboseprophylaxe auszureichen. Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass ein einfaches und kostengünstiges Vorgehen nicht zwangsläufig schlechter sein muss. Dieses “Down-Grading” der Prophylaxe sollte aber immer angepasst an die Risikokonstellation des Patienten sein.

Literatur:

Herzlichst,

Ihr

Amir Nia

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