Liebe Leserinnen und Leser,
ein persistierendes Foramen ovale (PFO) ist eine kleine Verbindung zwischen den Vorhöfen, die nach der Geburt nicht vollständig verschlossen wurde. Bei ungefähr jedem vierten Erwachsenen (bis zu 25% aller Erwachsenen also) findet sie sich – meist völlig harmlos. Bei Menschen mit Migräne, insbesondere mit Aura, wird sie häufiger nachgewiesen. Aber bedeutet eine Assoziation auch, dass ein Verschluss hilft?
Die Hypothese ist reizvoll: Kleinste Embolien oder Blutgerinnsel könnten durch das PFO die Lungenfilterung umgehen und Migräneattacken begünstigen. Beweisen lässt sich daraus noch nichts.
Die randomisierten Studien MIST, PRIMA und PREMIUM verfehlten ihre jeweiligen primären Wirksamkeitsziele. In einer gepoolten Analyse von PRIMA und PREMIUM gab es zwar ein Signal: Die Migränetage nahmen nach Verschluss um durchschnittlich 3,1 statt 1,9 Tage pro Monat ab. Doch solche nachträglichen Auswertungen ersetzen keine eindeutig positive Hauptstudie.
Auch die 2026 im BMJ veröffentlichte COMPETE-Studie ist interessant: Bei 1.000 Patienten mit PFO und Migräne war die Ansprechrate unter dem Blutverdünner Rivaroxaban höher als unter dem ß-Blocker Metoprolol (78 % gegenüber 62 %). Die Studie untersuchte allerdings Medikamente, keinen PFO-Verschluss, war offen und dauerte nur zwölf Wochen. Eine Empfehlung zur routinemäßigen Antikoagulation ergibt sich daraus nicht.
Mein persönliches Fazit:
Ein PFO ist noch keine Behandlungsindikation!
Ohne vorausgegangenen PFO-assoziierten Schlaganfall empfehlen Fachleitlinien keinen routinemäßigen Verschluss allein wegen Migräne. Bei schwerster, medikamentös therapierefraktärer Migräne mit Aura kann man in ausgewählten Fällen interdisziplinär über die unsichere Datenlage sprechen.
Für die meisten Patienten gilt: Erst eine gute neurologische Migränebehandlung – und nicht reflexartig ein Schirmchen im Herzen. Der interventionelle PFO-Verschluss jedoch ist eine schnelle und einfache Prozedur, die mit 1 Tag Krankenhausaufenthalt schnell abbildbar ist und im Rahmen unserer Sprechstunden näher erläutert werden kann.
Literatur:
· https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11307505/
· https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-100103
Herzlichst,
Ihr
Amir M. Nia