Ich hab mal ne Frage Doc: “Ist die Lunge steril?”
Liebe Leserinnen und Leser,
bis in die 60er Jahre dachte man: “Die gesunde Lunge ist steril”. Heute wissen wir: Das stimmt nicht! Moderne genetische Methoden zeigen, dass auch gesunde Lungen physiologische bakterielle Besiedlungen enthalten; quasi eine gesunde Form der Bakterien-Nachbarschaft. Nicht als Infektion, sondern als fein reguliertes Ökosystem.
Das ist logisch: Die Lunge ist täglich Tausenden Litern -nicht steriler- Luft ausgesetzt. Zusätzlich gelangen kleinste Mengen aus dem Mund-Rachen-Raum in die Atemwege. Entscheidend ist also nicht, ob ein Mikroben vorhanden sind, sondern ob das System stabil bleibt.
Erb-Downward und Kollegen fanden 2011 bakterielle DNA in bronchoalveolären Lavagen von Nichtrauchern, gesunden Rauchern und COPD-Patienten. Dickson und Kollegen zeigten später: Exazerbationen chronischer Lungenerkrankungen sind oft nicht einfach „viel mehr Bakterien“, sondern eher eine Dysbiose (ein ökologisches Kippen mit überschießender Immunantwort).
Die wichtige Botschaft: Bakteriennachweis ist nicht gleich Infektion. Eine gesunde Lunge ist kein steriler OP-Saal, sondern eher ein gut gepflegter Garten mit dem ein oder anderen Getier. Pathologisch (quasi krank) wird es, wenn aus Balance Wildwuchs wird.
Mein Fazit: Die Lunge ist nicht steril. Sie muss es auch nicht sein. Gesundheit bedeutet hier nicht Keimfreiheit, sondern belastbare Ordnung.
Literatur:
Erb-Downward JR et al. Analysis of the Lung Microbiome in the “Healthy” Smoker and in COPD. PLoS ONE. 2011;6(2):e16384.
Dickson RP, Martinez FJ, Huffnagle GB. The Role of the Microbiome in Exacerbations of Chronic Lung Diseases.Lancet. 2014;384:691–702.
Herzlichst,
Ihr
Amir Nia