Im CT eine Perikarditis nachgewiesen: “Ein Fall für True Crime?”

Liebe Leserinnen und Leser,

die Perikarditis (also die entzündliche Erkrankung der “Herzhaut”) ist nicht selten und betrifft jung und alt. Besonders wenn im Rahmen von viralen Erkältungserkrankungen zu früh wieder sportliche Aktivität begonnen wird, kann dies eine Perikarditis triggern. Nun, heute fragen wir uns „Ist in der Computertomografie eine Perikarditis zu sehen.“

Meine Reaktion auf solch eine Frage ist zumeist Ungläubigkeit gepaart mit vielen Nachfragen, wie man auf ein CT und nicht ein MRT kommt. Wenn dann noch die Behauptung aufgestellt wird, dass im Rahmen einer anderen Fragestellung ein CT des Brustkorbes durchgeführt wurde und die Perikarditis zusätzlich gesehen worden ist, ist der “Heilige Thomas in mir” vollends aktiviert. Aber welcher Approach ist richtig?

Legen wir den Indexfinger in die Wunde und versuchen dies evidenzbasiert einzuordnen – straff und praktisch:

1) Diagnostische Sicherheit des CT

  • CT ist für akute Perikarditis nicht sensitiv: Das beste CT-Einzelzeichen (Perikardverdickung/Enhancement) erreicht nur ~54–59% Sensitivität, bei ~91–96% Spezifität → „normal“ schließt nicht aus, „positiv“ kann nur den Verdacht stützen.

  • Es gibt KEINE etablierte, validierte CT-Regel nach dem Muster „CT-Zeichen = sichere Perikarditis“. In der relevanten Accuracy-Studie war Verdickung/Enhancement der Top-Parameter; ein standardisiertes „2-von-3“-CT-Kriterium wird nach meiner Recherche nicht als klinischer Standard geführt.

2) Was das CT sinnvoll kann (und was nicht)

  • CT hilft bei Differenzialdiagnosen/Komplikationen (Erguss-Detektion > KEINE Quantifizierung; Blut/Exsudat-Dichte, Verkalkungen, Tumor, Aorta/PE im selben Setting), aber bildet Entzündungsaktivität nur indirekt ab. (cave: das TTE ist der Goldstandard bei der PE-Quantifizierung)  

  • CMR (kardinales Magnetresonaztomogram) bleibt die Referenz für aktive Inflammationen (perikardiales LGE ± Ödem/Mapping) und ist die Methode zur Verifikation, wenn es therapeutisch relevant ist.

3) Empfohlene Wortwahl im Befund/Telefonat (reduziert Fehlalarme)

  • Statt „Perikarditis ist zu sehen“ besser: „CT-Zeichen vereinbar mit möglicher Perikarditis“. Das CT allein ist NICHT beweisend! Klinischer Abgleich/im Verlauf CMR.

  • Da die sichere Diagnose einer Perikarditis weitere ätiologische Implikationen (stationäre Aufnahme mit Suche nach der Ursache) und möglicherweise die Gabe von Colchicin über 3 Monate (ICAP-Trial) zur Folge hätte, sollten wir vorsichtig/zweifelnd sein.

Bottom line:

Das CT taugt NICHT als „Beweis“ für (oder gegen) eine Perikarditis – wenn dann entscheidet Klinik + Echo, und die Verifikation liefert immer die CMR.

Literatur:

Hammer et al. Acta Radiol 2014; ESC Guidelines 2015; Klein et al. JACC Cardiovasc Imaging 2024; Wang et al. JACC 2025; Alajaji et al., Circ Cardiovasc Imaging 2018

Herzlichst,

Ihr

Amir Nia

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