Abnehmspritze: Friend or Foe? Eine Analyse in 3 Steps.

Liebe Leserinnen und Leser,

GLP-1-Rezeptoragonisten oder kurz GLP1RA oder laienhaft Abnehmspritze sind im Vormarsch und haben die Medizin und die bariatrische Realität massiv verändert. Wir träumen nun von Gewichtsverlusten ohne Mühe, zu jedem Lebenszeitpunkt und quasi ohne Bedenken. Ob das so richtig ist, bezweifeln zurecht mittlerweile eine immer größere Fraktion an Menschen. Lassen Sie uns drei Wochen zusammen die gröbsten Fakten checken:

A)   Knochenschwund unter GLP1RA?

B)   Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder gar Karzinom durch GLP1RA?

C)   GLP1RA-vermittelte Gewichtsabnahme ohne kardiovaskulären Benefit?

Heute zu A)

GLP1RA verändern die Adipositastherapie grundlegend. Doch wer 15 oder 20 Prozent seines Körpergewichts verliert, verliert nicht ausschließlich Fett. Die Frage nach Muskel und Knochen gehört deshalb zwingend zur Therapie.

Die bislang direkteste Semaglutid-Evidenz stammt aus einer randomisierten Studie mit 64 Menschen mit erhöhtem Frakturrisiko. Nach 52 Wochen Semaglutid 1 mg war die Knochenneubildung nicht gesteigert, die Knochenresorption dagegen erhöht; zugleich lag die Knochendichte an Lendenwirbelsäule und Hüfte niedriger als unter Placebo. Die Teilnehmer verloren allerdings auch deutlich mehr Gewicht. Ein direkter toxischer Effekt des Medikamentes auf den Knochen ist damit keineswegs bewiesen – eine relevante Begleiterscheinung ausgeprägter Gewichtsreduktion aber durchaus plausibel.

Eine zweite randomisierte Studie liefert vielleicht die praktisch wichtigere Botschaft: Nach Gewichtsverlust führte Liraglutid allein zu einem stärkeren Verlust der BoneMineralDensity (Knochendichte) an Hüfte und Wirbelsäule als Training. GLP-1 plus strukturiertes körperliches Training ermöglichte dagegen starken Gewichtsverlust bei deutlich besserem Erhalt der Knochengesundheit.

Für eine tatsächliche Zunahme klinischer Frakturen durch Semaglutid fehlt bislang überzeugende randomisierte Evidenz. Genau hier sollte man weder beschwichtigen noch dramatisieren.

Meine persönliches Fazit:

GLP1RA macht nicht automatisch Osteoporose!

Aber schneller Gewichtsverlust ist metabolisch nicht kostenlos. Bei älteren Patienten, postmenopausalen Frauen, Osteopenie oder Sarkopenie gehören Krafttraining, ausreichendes Protein, Calcium/Vitamin D und gegebenenfalls Densitometrie der Knochen (DXA) mitgedacht.

Das Therapieziel lautet schließlich nicht nur: weniger Kilogramm. Sondern weniger Fett bei möglichst viel erhaltener (am besten muskulärer) Substanz.

Literatur:

Herzlichst,

Ihr

Amir Nia

Weiter
Weiter

Prasugrel oder Ticagrelor? Eine neue Metaanalyse bewegt.